Nutzer- und Aufgabenanalyse für ein sozio-technisches System zur Unterstützung der Kommunikation und Reorientierung beatmeter Patientinnen und Patienten in Intensivstationen: Ergebnisse und methodische Herausforderungen

Allgemeines

Art der Publikation: Conference Paper

Veröffentlicht auf / in: Zukunft der Pflege : Tagungsband der 1. Clusterkonferenz 2018 - Innovative Technologien für die Pflege

Jahr: 2018

Seiten: 201-206

Verlag (Publisher): BIS-Verl. der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

ISBN: 978-3-8142-2367-4

Autoren

Adrienne Henkel

Björn Hussels

Jan Patrick Kopetz

Susanne Krotsetis

Nicole Jochems

Katrin Balzer

Abstract

Motivation/Problemstellung: Das Projekt ACTIVATE hat zum Ziel, ein soziotechnisches Unterstützungssystem zu entwickeln, das die Kommunikation, Reorientierung und Umweltkontrolle von schwerstkranken Menschen in Intensivstationen in der Phase der Entwöhnung vom Beatmungsgerät (Weaning) fördert. Im Rahmen der initialen Nutzungs- und Aufgabenanalyse wurden verschiedene methodische Herausforderungen deutlich, die in diesem Beitrag analysiert und diskutiert werden sollen. Methodik: Die initiale Nutzungs- und Aufgabenanalyse erfolgte mittels einer Kombination folgender Untersuchungen: systematische Literaturrecherchen („scoping reviews“), nicht-teilnehmende Beobachtungen im Feld der Intensivpflege (n=10), semi-strukturierte Einzelinterviews mit Intensivpatienten (n=16) und deren Angehörigen (n=16), Ärztinnen/Ärzten (n=6) sowie Gruppeninterviews mit Pflegekräften (n=26) und Therapeutinnen/Therapeuten (n=2). Die empirischen Ergebnisse wurden dem Ansatz des Human-centered Design (HCD) folgend in Personas und personabasierte Szenarien sowie Prozessmodellierungen zusammengeführt. Ergebnisse: Die Datentriangulation ergab folgende Schwerpunkte für die zu unterstützenden pflegerisch-therapeutischen Prozesse: frühzeitige und genaue Erfassung der Patientenbedürfnisse im Weaningprozess (z. B. Durst, Schmerzen, Atemnot, Liegeposition und Bewegung im Bett), Ermöglichung einer subjektiv effektiven Kommunikation zwischen den Patientinnen/Patienten und dem personellen Umfeld (pflegerisch-ärztliches Team, Angehörige) sowie Förderung der Reorientierung und Partizipation (z. B. durch frühzeitige und regelmäßige Information über Zeit, Ort und klinische Situation). Darüber hinaus konnten verschiedene für die Funktionen und das Design des Unterstützungssystems relevante Kontextfaktoren auf der Patienten-, Personal-, Prozess- und Infrastrukturebene identifiziert werden. Allerdings zeigten sich auch Grenzen in der Exploration der Nutzungsbedürfnisse und Kontextfaktoren. Diese ergaben sich aus dem begrenzten Erinnerungsvermögen der Patientinnen/Patienten hinsichtlich des Weaningprozesses, Divergenzen zwischen der Patienten- und der Personalsicht und der noch unscharfen Gestaltungs- und Funktionsmerkmale des intendierten Unterstützungssystems in dem sehr frühen Entwicklungsstadium. Letzteres forderte das Vorstellungsvermögen aller in die qualitativen Erhebungen eingeschlossenen Personengruppen stark heraus. Schlussfolgerung: Die initiale Nutzer- und Aufgabenanalyse erbrachte wichtige Hinweise für die weitere Entwicklung des ACTIVATE-Unterstützungssystems. Zugleich wurden methodische Herausforderungen deutlich, die im weiteren Projektverlauf sowie in künftigen ähnlichen Projekten zu berücksichtigen sind. Das Projekt ACTIVATE bietet hierfür wertvolle Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit eines engen disziplinenübergreifenden Austauschs über die setting- und populationsspezifisch geeigneten Entwicklungsmethoden.